Mittwoch, 27. August 2008

Wir stuerzen uns ins Farmleben!



In Alice Springs blieb uns nicht wirklich Zeit zum Seightseeing - nachdem wir eine ganze Zeit auf unser Gepaeck warten mussten, mussten wir uns dann auf dem Weg vom Bahnhof ins Zentrum der Stadt ganz schoen beeilen (zum Glueck ist Alice Springs nicht sehr gross, aber ueber 15 Kilo Rucksack laesst sich schon ganz schoen tragen), um dort den Greyhound-Bus nach Erldunda (wer kennt sie nicht, diese australische Metropole) zu erwischen. Nach gut 2 Stunden Fahrt durch eine trostlose aber durchaus reizvolle Wuestenlandschaft erreichten wir das Roadhouse in Erldunda (mehr gibt es da auch nicht). Hier wartete bereits Tim, der Manager der Rinderfarm, auf der wir in den naechsten Tagen arbeiten sollten, mit seiner kleinen Tochter Tess auf uns. Mit seinem Truck (er hatte gerad irgendwo ein paar Rinder aufgeladen) ging es gut 100 weitere Kilometer durch noch mehr Wuestenlandschaft auf staubigen roten Pisten direkt zur Idracowra Station. Im totalen Nirgendwo tauchte dann auf einmal die Farm der Familie vor uns auf - ein Haus, eine Wasserpumpe, viele alte Autowracks, etliche leerstehende Huetten und Wohnwagen - alles umgeben von roter Erde und ein paar Bueschen und Baeumen - schon ein wenig gewoehnungsbeduerftig. Die Familie - bestehend aus Tim und seiner frau Marian sowie den beiden Kindern Tess (3 Jahre) und Bellah (1 Jahr) stellte sich dann ziemlich schnell als ziemlich nett heraus - auch wenn Tim nur wenige Worte mit uns wechselte (man wird wahrscheinlich so wortkarg, wenn man nur mit Rindviehchern zu tun hat), weil er die meiste Zeit vorm Fernseher verbrachte. Marian war dafuer recht kommunikativ (hat sich wahrscheinlich gefreut, dass mal jemand mit ihr erzaehlt) und die beiden Kiddies hatten auch bald ihre erste Schuechternheit ueberwunden und freuten sich tierisch darueber, in uns neue Spielgefaehrten zu haben (andere soziale Kontakte ausser ihren Eltern und die 2-4 anderen Mitarbeiter auf der Farm haben sie naemlich nicht). Unsere Hauptaufgabe bestand dann auch in der Kinderbetreuung und im Reinigen des Hauses - da Marian nicht so ganz die geborene Hausfrau ist, was Putzen angeht, hatten wir da auch wirklich gut zu tun und konnten und so richtig "austoben". Die Nachmittage hatten wir offiziell frei, aber da in der Einoede ja echt nicht viel zu sehen war, kuemmerten wir uns auch da fleissig weiter um die Kinder. Fuer unsere Arbeit wurden wir mit einem netten Doppelzimmer (das leider mit zum Teil 12,8 Grad recht kalt war, aber ich hab ja nen Schal mit) und richtig tollem Essen (natuerlich mit viel Rind- aber auch super leckerem Lammfleisch - ich hab garantiert 5 Kilo zugenommen) entlohnt. Ausserdem nahm sich Marian Zeit, uns waehrend einer Fahrt im Landcruiser einen Teil der gut 5000 Quadratmeter grossen Farm zu zeigen und mit uns eine wilde Fahrt ueber Sandduenen in einem Allrad-Golf-Buggy zu unternehmen. Bezueglich unseres Arbeitseinsatzes hatten wir bald alle Fenster und Boeden des Hauses geschrubbt, die beiden Autos geputzt und alle Kuehlschraenke gereinigt (das waere wirklich was fuer's Gesundheitsamt gewesen) - so dass wir das Farmleben trotz Marians Bemuehungen doch eher als langweilig empfanden. Wir haetten uns etwas mehr Action auf so einer Farm erhofft und nicht dieses "normale" Leben, bei dem er ab und an mal ueber die Range faehrt und sonst vorm Fernseher hockt und sie sich um die Kinder kuemmert und den ganzen Tag telefoniert. Vielleicht hatten wir aber auch nur eine unguenstige Zeit erwischt, in der halt nicht viel Arbeit anfaellt. Naja, jedenfalls bot Marian uns an, dass wir unseren Aufenthalt auch schon nach einer Woche beenden koennen (es waren ja eigentlich 2 Wochen vereinbart), da sie sowieso mit dem Auto nach Alice Springs (das immerhin 250 km entfernt ist) musste und uns mitnehmen koennte. Dieses Angebot nahmen wir dann dankend an - auch wenn uns der Abschied von den beiden suessen Kiddies durchaus schwer fiel - und so sind wir heute wieder in unseren normalen Backpacker-Urlaubsalltag zurueckgekehrt, verbringen die Nacht wieder in einer Jugendherberge und ohne Rinderbraten am Abend ...

Eine Zugfahrt die ist lustig




Nachdem wir die Region um Darwin ausreichend erkundet hatten, bestiegen wir letzte Woche Mittwoch den legendaeren GHAN, um uns ins Zentrum des Kontinentes durchzuschlagen. Der Ghan ist eine der zwei geschichtstraechtigen Eisenbahnlinien, die Australien durchqueren, und wurde nach den Afghanen benannt, die in frueheren Zeiten diesen Weg durch Australien auf Kamelen zuruecklegten. Auch wenn der Zug zunaechst etwas altmodisch anmutete, so war die Fahrt doch ein echt tolles Erlebnis. Der Zug braucht fuer den Weg von Darwin nach Adelaide 3 Tage und 2 Naechte und ist dementsprechend ausgestattet: Sein Gepaeck musste man vorher wie beim Fliegen einchecken, in jedem Wagen gab es recht geraeumige Duschen (und es wurden sogar flauschige Handtuecher gestellt) und man konnte sich jederzeit am Wasserspender bedienen. Ausserdem waren fuer jeden Wagen zwei Zugbegleiter (einer tagsueber, einer waehrend der Nacht) zustaendig, die den Reisenden mit Rat und Tat und viel Humor zur Seite standen - da kann sich die Deutsche Bahn in Punkto Service echt 'ne Scheibe abschneiden.
Nach 4 Stunden Fahrt erreichten wir Katherine, wo der Zug einen 4-stuendigen Zwischenstop einlegte. Wir nutzten die Zeit, um mit einem gemieteten Kanu den Katherine River zu erkunden (die Tour konnte man bereits im Zug buchen und der Shuttlebus stand bei unserer Ankunft auch schon bereit - alles krass durchorganisiert). Die Kanufahrt war aufgrund zahlreicher Styromschnellen und fehlender Lenkung im Boot eine echte Herausforderung fuer uns zwei Maedels, die wir aber hervorragend gemeistert haben. Wir konnten mal wieder zahlreiche Voegel und Wallabies beobachten. Krokodile haben wir diesmal leider nicht gesehen - aber das war vielleicht auch besser so ;-)
Nach dieser gelungenen Abwechslung ging es dann am spaeten Nachmittag wieder an Bord des Ghan, wo wir auch die Nacht verbrachten. Dies war nicht ganz so amusing, weil wir uns als sparsame Backpacker natuerlich keine Liegesitze oder aehnliches leisten wollten und uns so im Sitzen eine halbwegs komfortable Schlafposition suchen mussten. Aber wir habens ueberstanden - wenn auch etwas zerknautscht und erreichten am Donnerstag wohlbehalten unser naechstes Reiseziel Alice Springs.

Dienstag, 19. August 2008

Wir leben noch!

Nach unserer aufregenden 3-Tagestour durch den Kakadu-Nationalpark sind wir gestern abend wohl behalten (bis auf etliche Moskitostiche und einige Schuerfwunden vom Ueber-Steine-Klettern) wieder in Darwin angekommen.

Ich befuerchte, dass ich die vielen Eindruecke, die waehrend dieser grossartigen Safari auf mich eingestroemt sind, gar nicht so richtig in Worten wiedergeben kann. Wie erwartet, haben wir viele Tiere gesehen (natuerlich auch Krokodile - aber zum Glueck nicht hungrig) und viel ueber die Lebensweise und Kultur der Aboriginies erfahren (an den Nationalpark schliesst das fuer Touristen nicht begehbare Arnhem Land an, in dem die Ureinwohner noch relativ urspruenglich ihrem Leben als Naturvolk in nachgehen koennen). Die beeindruckenste Erfahrung war fuer mich einfach, waehrend der gesamten Tour so voellig von der Zivilisation abgeschieden in der Natur zu leben - wir mussten uns Holz fuer das abendliche Lagerfeuer sammeln, haben in sogenannten swags (so eine Art Biwaksack) unter freiem Himmel geschlafen, die Toastbrote fuers Fruehstueck wurden direkt im Lagerfeuer geroestet und und und ... Schon nach 3 Tagen fand ich es dann total komisch, wieder in Darwin zu sein und ploetzlich so viele Autos und Menschen um mich herum zu haben.

Wie gesagt, in ein paar Worten kann man die ganzen Erlebnisse gar nicht so richtig wiedergeben und deshalb belasse ich es heute einfach bei diesen kurzen Zeilen. Schaut euch einfach die Bilder an (ich hoffe, dass das mit dem Hochladen funktioniert) und lasst die Eindruecke ein bisschen auf euch wirken.

Mein naechster Eintrag wird ein wenig auf sich warten lassen. Wir fahren morgen naemlich mit dem Ghan (die Nord-Sued-Eisenbahnlinie heisst so) nach Alice Springs und werden dann mitten im Outback fuer die naechsten 2 Wochen auf einer Rinderfarm arbeiten, wenn alles klappt - am Telefon wurde uns gesagt, wir muessen nur Gartenarbeit und Kinderbetreuung machen - also kein Rodeo oder so, hoff ich mal ;-)

Seid alle lieb gegruesst bis zum naechsten Mal

Donnerstag, 14. August 2008

Nach der ersten Woche in Darwin habe ich bereits einen neuen Reisebegleiter ...

Ich habe mir naemlich einen "original" australischen Sonnenhut made in China zugelegt. Dieser schuetzt mich zum einen hervorragend vor der Sonne, die hier wirklich ganz schoen heftig ist und hat zum anderen den Vorteil, dass mich gleich jeder als Tourist erkennt ;-)



Unsere ersten Tage in Darwin vergingen wie im Flug: Wir haben viel Zeit damit verbracht, einfach durch die Gegend zu spazieren (eine echte Meisterleistung bei der Hitze, aber zum Glueck gibt es hier eine Menge Rasensprenger, unter deren Wasserstrahl wir dann meist wie die kleinen Kinder rumgehuepft sind) und dann an einem der vielen tollen Straende zu relaxen. Ich fuehle mich immer noch ein wenig wie im Zoo, bei den ganzen exotischen Voegeln, die einem hier so ueber den Weg flattern - wann sieht man schon einfach mal so einen Kakadu auf einem Baum sitzen?



Natuerlich haben wir auch ein bisschen was fuer die Bildung getan und uns zum Beispiel das alte Gefaengnis von Darwin (1883 erbaut und bis 1979 in Betrieb) angeschaut - recht beeindruckend. Ueber das Leben der Aboriginal People haben wir bisher am meisten wahrend unserer Fahrten mit der Buslinie Nummer 4 erfahren: Da kommt es schon mal vor, dass uns ein Ureinwohner die an der Strecke liegenden Wohnkommunen der Aboriginies zeigt. Weniger erquickend war die gestrige Erfahrung, als wir in einem vollbesetzten, nach Alkohol und anderen unappetitlichen Sachen riechenden Bus mit ansehen konnten, wie sich 2 Ureinwohner erst ziemlich lautstark beschimpften und dann letztendlich vom Busfahrer rausgeschmissen wurden. Wirklich eine schwierige Problematik, der die Australier recht hilflos gegenueber zu stehen scheinen.



Ansonsten sind die Australier, die wir bisher kennenlernen konnten, wirklich ein sehr nettes Voelkchen - da fragt die Kassiererin im Supermarkt schon mal ob man einen schoenen Tag hatte und auf der Strasse wird man mal eben mit "Hey Ladies" begruesst - toll!



Auch konnten wir uns schon davon ueberzeugen, dass die Australier gerne Bier trinken und ausgelassen feiern koennen (da tauschen Maennlein und Weiblein auf der Tanzflaeche mal eben ihre Oberbekleidung aus). Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das australische Bier zwar ziemlich duenn schmeckt, es aber durchaus in sich hat. Auch die Regierung scheint zu wissen, dass hier gern und (zu) viel getrunken wird und so sieht man an ziemlich vielen oeffentlichen Plaetzen Alkohol-Verbotsschilder. Auch auf dem Konzert, das wir gestern abend besuchten, bestand Alkoholverbot - und da lief sogar die Polizei durch die Reihen und konfiszierte jeglichen Alkohol.



Soweit erstmal meine ersten Eindruecke aus down-under. Ich hab sicher total viel vergessen, aber ich moechte euch ja auch nicht ueberfordern und zu neidisch machen ;-)



An alle, die mir schon so fleissig Kommentare hinterlassen haben, ganz ganz lieben Dank! Macht weiter so und beachtet bitte auch das Quiz, das es seit heute neu auf meiner Seite gibt. Ich hoffe auf rege Beteiligung - gewinnen koennt ihr nichts - nur an Erfahrung und Wissen :-)

Ach so vielleicht noch ein kurzer Ausblick auf den weiteren Reiseverlauf: Morgen geht es in den Kakadu-Nationalpark und wenn ich nicht von einem Krokodil gefressen werde, melde ich mich danach wieder ...

Bis dahin ganz ganz liebe Gruesse

Samstag, 9. August 2008

Gelandet ...

Bei uns ist es jetzt 17.00 Uhr und vor etwa 13 Stunden haben wir wohlbehalten Darwin erreicht.

Obwohl der Langstreckenflug von Frankfurt nach Singapur fuer mich eine absolute Weltpremiere war, hab ich mich tapfer geschlagen und den Flug mit all seinen Annehmlichkeiten (lecker Essen, unbequemes Schlafen, dafuer aber "Kung Fu Panda" im Bordfernsehen) genossen - und ich brauchte weder meine Schlaftabletten noch psychologische Behandlung durch Manja :-)

In den letzten 13 Stunden haben wir uns dann schon ein wenig mit Darwin vertraut gemacht, das jetzt fuer die naechsten 7 Tage unsere Heimat werden wird. Die Stadt ist eine echte Touri- und Backpacker-Metropole - ein hostel am naechsten und viele verlockende Bars und Cafes. Bei unseren bisherigen Erkundungen haben wir bereits den nettesten Busfahrer von Darwin kennenlernen duerfen (aber irgendwie liegt die Nettigkeit hier echt bei allen Leuten im Blut) und auf dem oertlichen Troedelmarkt haben wir uns leckere Fruechte schmecken lassen. Erste "wilde" Tiere wie Riesenheuschrecke, Maskenkiebitz und irgendeine Ibisart wurden auch bereits gesichtet. Ach ja und das Wetter ist typisch Winter: Sonne satt und um die 35 Grad ;-)

Irgendwie stellt sich jetzt aber doch langsam die Muedigkeit bei uns ein, immerhin sind wir seit vorgestern auf den Beinen, wenn man mal von den paar Stuendchen halbherzigen Schlaf im Flieger absieht. Der Abend wird dementsprechend ruhig werden mit Fertignudeln und ein wenig Relaxen am Pool ...

Montag, 4. August 2008

Die Reise hat sich schon jetzt gelohnt!



Warum? Na wegen der tollen Abschiedsparty, die meine netten Kollegen organisiert haben! Foster's gekostet, Didgeridoo gespielt, ein Krokodil gebändigt - eigentlich muss ich dann ja gar nicht mehr weg, oder? Aber jetzt ist der Rucksack ja gepackt und da schau ich mal, was Australien noch so außer der oben genannten Dinge zu bieten hat ;-)
Also auf alle Fälle nochmal herzlichsten Dank an alle, die mich so lieb verabschiedet haben - macht mir den Abschied nicht unbedingt leichter, aber ein kluger Mensch hat mir mal gesagt, dass Loslassen wahre Stärke bedeutet ...
Na dann! Auf zu neuen Ufern!